Samstag, 23. August 2008

Und zum Frühstück?

Croissants? Cornflakes? Toast? Kaffee? Oder nach guter deutscher 70er Jahre Schlagermusik-Manier Himbeereis? Wo denkt ihr hin. Es gab frische, dampfende Meeresfrüchtesuppe. Ähm. Toll. Guten Appetit dann mal. Ich versuche einfach durch den Mund zu atmen, um dem Geruch zu entgehen.
Doch von vorn.
Nach einem Tag in Vina, wo ich zum ersten Mal Pelikane in freier Wildbahn gesehen habe, etwas Sonne und den Strand genossen habe (siehe Bilder), ging es letztes Wochenende nach Temuco. Freitag war Feiertag und so standen wir Donnerstag morgen 7:15 Uhr pünktlich am Parkplatz, um mit unserem Marketing Direktor zur Arbeit zu fahren. So hatte es meine Kollegin mit ihm ausgemacht. Um es kurz zu machen: 8 Uhr standen wir immer noch da, hatten ca. 4 Reiseveranstalter davon überzeugt, dass wir NICHT zu ihrer Skifahrergruppe gehörten, kalte Füße und ziemlichen Hunger. Glücklicherweise konnten wir dann 8:15 Uhr von einem weiteren Kollegen gerettet und mitgenommen werden (dass der eigentlich schon 7:40 Uhr unsere 3. im Bunde abholen wollte, erwähne ich jetzt mal nicht). Aber ich war auch ein wenig stolz auf mich. Ich konnte mit der Situation halbwegs entspannt umgehen - eben abwarten und Tee trinken. Dass sollte sich für das Wochenende sowieso noch als hilfreich herausstellen. Der Flug war ... abenteuerlich. Zunächst hatten wir vor 3 Wochen herausgefunden, dass die Fluggesellschaft die Strecke eingestellt hatte. Dank meiner Kolleginnen und ihren unerbittlichen Nachfragen und Androhungen konnten wir umgebucht werden. Die Fluggesellschaft hatte uns im Übrigen nicht über die Änderungen informiert. Wir hatten es über die Eltern und die über die Zeitung erfahren, denn nachdem zahlreiche Kunden am Flughafen sitzen geblieben waren, gab es doch einen kleineren Aufstand :)
Und um uns dann noch einen kleinen Kick zu geben, stürmte und regnete es auch noch apokalyptisch. Ich bin ja kein hysterischer Typ (denke ich zumindest), aber Achterbahnfahren, vor allem ohne Schienen in der Luft, gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen! Deshalb war ich schon heilfroh, als wir endlich hart auf dem Boden aufkamen! Ein leckerer Pastel de Choclo beruhigte meine Nerven wieder. Und der Plan für Freitag stand: Pucón. Doch Freitagmorgen schüttete es wie aus Kannen. Und so machten wir uns erst mittags auf nach Villarica und Pucón. Einem wunderschönen Städtchen, dass als eines der wenigen Orte in Chile eine städtebauliche Regelung hat und deshalb statt mit dem üblichen Durchschnittsdurcheinander durch Holzhäuser mit Graphitfassaden und Holzschildern besticht. Ein Traum! Leider war es immer noch sehr kalt und regnerisch, weshalb wir nicht allzu lange blieben. Auch ein Blick auf den Vulkan blieb uns leider verwehrt und so steht für mich fest: ich komme wieder. Schon allein um mich im Cassis Café durch all die leckeren Kuchen, Schokoladen (siehe Schaufenster: alles Schoki!!!!!!!!) und Eissorten zu schlemmen. Freitag Abend wollten wir dann weggehen. Aber immer alles schön entspannt. Erwartet mal keine großen Pläne. Nur ein wenig ins Pub. Und wenn man dann schon mal da ist, vielleicht noch für einen Sprung in die Disko. Und nach 2 Stunden Reggeaton und einem dicken Mops neben mir, der mich ständig anrempelte und der Erkenntnis, dass die einzigen Leuten, die auf meiner Augenhöhe waren rundherum auf dem Podest standen, kam endlich mal ein wenig Musik zu der ICH tanzen wollte. Aber die anderen irgendwie nicht. Die Tanzfläche leerte sich und als das Licht anging, war mir klar: 5 uhr - Sperrstunde. Also Richtung Ausgang...oder doch nicht! Denn plötzlich traf meine Kollegin alte Bekannte. Und wo eine Traube Menschen steht mit einer offen sichtlich Fremden... einer großen Fremden...einer großen deutsch sprechenden Fremden...da gesellen sich doch gleich noch mehr Leute dazu. Ich war ja eigentlich schon reif fürs Bett, aber die anderen noch lange nicht. Und so befanden wir uns nach kurzer Diskussion in einer Museumswohnung. Solltet ihr euch je gefragt haben, wohin der Eiche-Rustikal-Wohn-Schick der 60er und 70er Jahre hin verschwunden ist: er ist nach Chile ausgewandert. Ehrlich. Soviel Kitsch und Plunder und dunkle Möbel und Deckchen und und und habe ich echt schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Das man sich in so einer Umgebung wohl fühlen kann...aber weiter im Text. Kurz nach 7 bemerkten wir dann, dass ja der Markt auch schon fast aufmachen würde. Ich dachte an frische Brötchen, evtl. etwas Süßes, eine heiße Schokolade oder vielleicht sogar ein Croissant....Wir kamen kurz nach 8 Uhr morgens am Markt an. Laut meiner Kolleginnen war es ein Brauch nach den letzten Prüfungen und durchfeierter Nacht auf den Markt zu gehen. Zwar waren noch die meisten Läden verrammelt...doch schon schwante mir, dass ich mir völlig falsche Hoffnungen gemacht hatte. Das war kein Wochen- oder gemischter Markt. Das war der Fischmarkt. Und so gab es Fischrestaurants. Auch um 8 Uhr morgens. Und meine Kollegin und ihre Freundin bestellten sich - ihr ahnt es schon - Meeresfrüchtesuppe. Auch mit größter Überredungskunst war ich nicht bereit auch nur einen Löffel davon zu probieren. Meine Herausforderung bestand schon allein darin meine Augen offen zu halten, immer noch spanisch zu sprechen und bei dem Anblick und Geruch noch freundlich zu lächeln. Dementsprechend war der Samstag dann mit Schlafen, einem Mittagessen um 14 Uhr, Entspannen vor dem Kamin und am frühen Abend einem kurzen Besuch in der Stadt und der Mall auch schon schnell vorbei. Am Sonntag waren wir dann zu meiner anderen Kollegin zum Almuerzo eingeladen. Wie schon im letzten Blog beschrieben mit der ganzen Familie, viel leckerem Essen, interessanten Gesprächen und viel Spass. Und plötzlich war es 17 Uhr und wir mussten uns beeilen, um noch die Koffer zu packen und wieder zum Flughafen zu fahren. Auch wenn ich mir ein wenig mehr "Touristisches" gewünscht hätte (in Deutschland hätte ich schon Wochen vorher einen präzisen Plan für die 3 Tage inklusive ca. 7 touristischer Höhepunkte der Region und Frühstück um 8:30 Uhr gehabt), so habe ich doch wieder interessante Einblicke in das chilenische (Familien)Leben gewonnen und einen anderen Lebensrythmus kennen gelernt. Und weiß jetzt, dass ich auch einfach mal abwarten kann ohne ständig einen Plan zu haben.
Dieses Wochenende bin ich in Santiago und ab nächstem Wochenende gibt es "Nachwuchs" aus Deutschland. Eine ehemalige Kollegin von Beiersdorf wird hier in Chile in der Personalabteilung meine Nachfolge antreten und ab September ein Praktikum machen. Mal schauen welche Eindrücke sie von Chile gewinnt :)

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