Lieber „Anke-ist-in-Chile“ Leser.
Zuerst muss ich mich ganz ganz doll entschuldigen, dass ich in den letzten Wochen so schreibfaul war! Und nun stimmt nicht einmal der Titel mehr, denn seit 4 Tagen bin ich wieder in Europa, Deutschland und soeben (zumindest während ich das schreibe) auf dem Weg zwischen Sachsen und Hamburg irgendwo im platten Brandenburg. Keine Anden, kein Schnee! Die Busse sind wieder leer bis auf den Busfahrer, Menschen sind größer als ich, (fremde) Omis schimpfen über Gott und die Welt und sehnen sich nach guten alten Zeiten, im Supermarkt gibt es Quark und 10 Sorten Körnerbrot. Überholt wird NUR links, bei rot bleiben Fußgänger stehen und ich muss dem Drang widerstehen jeden, aber auch jeden mit einem Küsschen auf die rechte Wange zu begrüßen (ich fürchte da wird es noch zu einigen komischen Verrenkungen, Verwirrungen und Nasenstößen kommen :) Alle Zimmer kommen mir total warm vor (ach ja das könnte an der HEIZUNG liegen), Bier wird nicht nur in Bars, sondern auch auf der Straße von 15jährigen und im Zug von 75jährigen getrunken – inklusive der obligatorischen Leberwurstbemme (also Leberwurstschnitte oder –brot!). Pünktlichkeit ist oberstes Gebot, meinen 1 Cent bekomme ich immer zurück, das Samstagabendprogramm beginnt um 20:15 Uhr und 8 Uhr morgens begrüßt mich eine mit Stimmungsaufhellern zugedröhnte Radiomoderatorin mit alten Witzen und einem alten (und immer schon furchtbaren) 90er Jahre Hit. Kein Zweifel - ich bin wieder in Deutschland :) Bin allen wunderschönen, bekannten, ersehnten, vermissten, erhofften aber auch befürchteten, halb verdrängten, angezw
eifelten und am liebsten vergessenen Seiten. Und auch wenn ich gerade eben das Gefühl habe, nie weggewesen zu sein und alles sich wieder ganz normal anfühlt, habe ich doch die Ahnung, dass Chile mich noch lange und an manchen Stellen hoffentlich für immer begleiten wird. Deshalb werde ich noch eine Weile weiterschreiben um den kulturell-politischen Beitrag (räusper räusper :) fortzuführen. Und natürlich noch nach und nach die Ereignisse der letzten Wochen zu erzählen – denn mir fehlte schlicht und einfach die Zeit zum Schreiben!
Aber hier erst mal die letzte Woche:
Nach einem 5tätigen Urlaub im Norden Chiles (dazu später mehr) brachen also meine letzten beiden Arbeitstage in Chile an. Für Montag war die Übergabe, Feedback und abends ein Abschiedsessen mit Kollegen geplant. Nach chilenischer Art wurde das Feedback dann natürlich verschoben – aber ich habe mir ja mittlerweile eine sehr entspannte Art zugelegt, die sicher in nächster Zeit an einigen Nerven zerren wird. Das Abschiedsessen fand dann in Providencia in einer sehr netten Bar mit meinen Kollegen aus HR und sogar Marketing statt. Typisch chilenisch spülten wir das „Sutshi“ und die Empanadas mit Pisco Sour und frischem Himbeersaft hinunter. Doch das Abschiednehmen war noch nicht zu Ende: Dienstag machte das gesamte HR mit allem Anhang einen „Ausflug“ in ein nahe gelegenes, schickes italienisches Restaurant (ich hatte keine Ahnung, dass Maipú noch solche Schätze barg!) und schlemmten bei Vorspeisen und leckeren Nudeln 2 Stunden lang was das Zeug hielt. Ich bekam ein super schönes Buch über Chile (Hilfe, mein Gepäck!!!) und eine DVD und wurde zu einigen Worten genötigt. Ich. Wo ich theatralische Szenen außer im Theater so überhaupt nicht liebe. Und noch dazu die wässrigen Augen meiner Kolleginnen sah. Aber die Herausforderungen sollten ja auch bis zum letzten Tag fortbestehen. Nach der Rückkehr (und dem Feedback) wurde es dann um mich herum geheimnistuerisch. Auch wenn ich in den letzten Jahren immer wieder (unfreiwillig!) bewiesen habe, dass man mich sehr leicht hinters Licht führen kann, war das dann doch zu offensichtlich. Doch mit dem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet: Eine Foto-DVD mit Bildern aller meiner Reiseziele, mit Fotos meiner Kollegen und des letztens Essens. Soooo nett! Ich verließ das Büro nach diversen anderen Abschieden dann auch schon 19:30 Uhr – gut dass ich meinen Koffer schon vollkommen gepackt hatte! Denn 20 Uhr hatte ich einen Tisch reserviert, um auch meinen letzten Abend zu feiern. Eigentlich war ein Abend zu 3 mit Kathi und Domi geplant. Doch schnell erwies sich das als unmöglich, denn alle anderen wollten auch dabei sein – und so wurde der Tisch dann von 11 Leuten umringt und die Kellner hatten kaum Platz zum Durchkommen :) es wurde ein super schöner Abend mit noch mehr Geschenken, einem deutsch-englisch-spanisch Mix und sogar noch erfolgreichen Kontakt-Vermittlung zwischen meiner chilenischen Kollegin, die eine Mietwohnung sucht und meiner polnischen Freundin, die bei einem Makler arbeitet. Ich sollte einen Teil der Provision verlangen :)
Für den Mittwoch Morgen hatte ich dann noch das Restepacken und Saubermachen aufgehoben. Und auch wenn meine Mama mich in ihren Albträumen schon aus der unordentlichen Wohnung hatte stürzen sehen, schaffte ich alles in Ruhe und hatte noch Zeit für Frühstücksfernsehen :) Am Flughafen begrüßte mich dann zuerst ein Pfeifkonzert – na super: auf Streik hatte ich ja gar keine Lust! Doch der Lärm stellte sich als Werbeaktion des Duty Free Shops heraus. Sehr nette Art seine Kunden zu verschrecken! Die armen Mitarbeiter am Check-In mussten sich schreiend unterhalten und als ich später im Café saß, kam auch ich in diesen Genuss! Doch vorher galt meine größter Sorge meinem Gepäck: 20 kg Freigepäck und 1 Handgepäck. Tja ich hatte: Handtasche, Schlepptop, Rucksack, der geradeso als Handgepäck durchgehen konnte (das Limit von 8 kg hatte der aber weit hinter sich gelassen!) und einen Koffer. Mein Koffer wog laut der Waage von Marta am Montag Abend 17 kg. „Super“, dachte ich. Denn es fehlten ja nur noch klitzekleine Kleinigkeiten. Klitzekleine Kleinigkeiten, die sich bis Mittwoch Morgen zu stattlichen 8,6 kg abgebläht hatten. Schluck. Aber eine der angenehmen Seiten der Chilenen ist ja ihre unverkrampfte Art mit Regeln umzugehen. Und so wurde nicht mit einer Wimper gezuckt und das Gepäck durchgewunken. Auch ich bin ja inzwischen zu guten Stücken chilenisiert. Darum hatte ich meinen recht üppigen Rucksack auch vor dem Check-In an Domi abgegeben, die mich ganz lieb noch beim Warten begleitete. So hatte ich eben „nur“ meine Handtasche. Den Sicherheitsmann etwas später interessierte dann mein vieles Gepäck nicht. Und am Gate holte ich mir dann (ohne Handtasche und Laptop zu offenbaren :) noch den obligatorischen Handgepäck-Anhänger für den Rucksack. Man muss eben wissen, wie man es macht :) Ab Sao Paolo wurde mir dann die Flugzeit durch meinen Sitznachbarn verkürzt und ich kam nicht mal dazu, dass Filmprogramm zu nutzen- gut, denn alle halbwegs annehmbaren Filme hatte ich schon gesehen :) Ich war also über mehrere Stunden mit einem schottischen Ex-Piloten im Gespräch, der in Buenos Aires aufgewachsen war, in Costa Rica eine Tauschschule betrieben hatte und nun in Italien arbeitete und in der Schweiz wohnte. Da gingen die Themen nicht aus ;)
Gott sei dank waren mein Wortvorrat aber noch nicht erschöpft als mich meine Mami dann am Flughafen in Frankfurt abholte. So kam ich dann nach 30 Stunden Auto-Flugzeug-Flugzeug-Bahn-Auto wieder „Am Stadtrand“ in meinem schönen Großenhain an. Es klingt vielleicht lächerlich, aber Toiletten, die sich nicht bewegen, sind wirklich von enormen Vorteil!
Neben den stillstehenden Toiletten gibt es natürlich noch viel mehr positive Seiten, wenn man wieder zu Hause (und diesmal WIRKLICH zu Hause!) ist. Und so genoss ich mit meinen Eltern und am Samstag auch mit meiner ganzen Familie das Familienleben, wurde lieb begrüßt und ausgefragt, verwöhnt und bekocht, ein wenig bedient :) und dann auch schon wieder verabschiedet. Denn morgen geht es wieder in Hamburg weiter. Diesmal im Marketing.
Also bis bald - ihr könnt euch noch auf einige Santiago-Erinnerungen freuen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen