Freitag, 25. Juli 2008

Südameropa

Uupps...da habe ich mir wohl selbst die Meßlatte ganz schön hoch gelegt mit dem letzten Eintrag. Und prompt unter einer Schreibblockade gelitten ;)
Danke für die Kommentare! René, ich glaube schon, dass du Recht hast, trotzdem ist es schade, dass weder Regierung noch Einzelpersonen einen Blick nach vorn wagen und aus den Fehlern anderer Konsequenzen ziehen...Aber wie gesagt: nicht rumjammern, selber machen!

Da ihr nun schon wieder 3 Wochen verpasst habt, kommt hier eine kurze Zusammenfassung: das erste Juli Wochenende war ich im Touri-, Empanada- und Keramikdorf Pomaire. Ca. 1,5 h von Santiago entfernt (inkl. Abenteuerfahrt im ca. 50 Jahre alten Minibus :) findet man hier neben typischer Töpferware die berühmten 1 kg Empanadas. In denen steckt dann nicht nur die leckere pino-Füllung sondern auch noch ein Hühnchenschenkel :) Sehr lecker! Und ich konnte es mir nicht verkneifen ein paar Schüsseln für den pastel de choclo zu kaufen. Wenn er dann nicht schmeckt, so wie ich ihn mache, habe ich ihn wenigstens originalgetreu serviert!
Ansonsten gab es: lustige Abende mit Kolleginnen (ich habe Wodka Ahoj erfolgreich in den chilenischen Markt eingeführt), entspannende Nachmittage mit Cafébesuch, Massagestühlen und Maniküre, leckeres Essen und interessante Gespräche über die DDR, Deutschland heute und Chile mit den Eltern einer Kollegin. Sie hatte mich eingeladen um ihre Familien (inkl. 5 Geschwister, 3 Hunde, 2 Nanas, riesigem Haus fast in den Anden und und und) kennen zu lernen.
Das Highlight der letzten Wochen war aber mein 5-Tage-Wochenendtrip nach Buenos Aires. Mein Touristenvisum musste sowieso erneuert werden und was lag näher als den Feiertag am letzten Mittwoch zu nutzen und einen Abstecher ins Nachbarland zu machen? Und was soll ich sagen? Ich war sicher nicht zum letzten Mal in dieser wunderschönen und lebendigen Stadt! Ganz im Gegensatz zum amerikanisch orientierten Santiago besticht Buenos Aires durch viel alte französische Architektur, italienische Küche und südamerikanische Preise! Der perfekte Mix aus Südamerika und Europa. Das Essen ist immer lecker und total preiswert - Pizza und Pasta sollte man neben einem richtig guten Steak nicht verpassen. Und tatsächlich: auch wenn ich in Deutschland eher der "Fisch und Pute"-Fraktion angehöre, den "lomo de vino" (Rinderlende in Rotwein), den ich in der Kunst- und Musikkneipe in Buenos Aires gegessen habe, war sicher das beste Fleisch, das ich jemals gekostet habe! Außerdem: Geschäfte ohne Ende - gerade Lederwaren und CD's zu super Preisen (ähm, ich brauche wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ich mich nicht zurückhalten konnte...), Buchläden in alten Theatern und stuckverzierten Häusern, überall sehr sympathische Menschen (ich wurde in der U-Bahn vorgelassen beim Einsteigen! In Santiago musste ich zuletzt gegen Omas kämpfen um überhaupt aus der Bahn herauszukommen - sie stürmten rein, um auch ja nicht am Bahnsteig stehen zu bleiben - als ich anfing laut "Por favor" zu sagen und einige deutsche Worte des Unbehagens hinterherschickte, guckten sie schon etwas komisch und ich konnte mich durchdrängeln :) ). Statt Straßenhunde gab es freilaufende (Perser)Katzen und Hundesitter mit 4 - 8 Hunden an der Leine. Ein sehr lustiges Schauspiel wie da Deutsche Dogge, Promenadenmischung, Pittbull und Malteserhund nebeneinander hertrabten und mitten in dieser Traube ein Mensch mit zig Leinen!
Das allgegenwärtige Blau-Weiß war kein Hinweis auf Bayern-Fans (gottseidank), sondern zeigt den Nationalstolz der Argentinier. Ich fühlte mich wie in Deutschland zur WM (oder auch EM?). Überall waren Fahnen zu sehen, und ganze Geschäfte führten nur Kleidung und Fanprodukte in Blau-Weiß-Blau.
Natürlich gab es auch in Buenos Aires einige Schwierigkeiten zu überwinden: da ist zum einen der ständige Kampf zwischen den leckeren Konditoreien, Eisdielen, Kiosken mit Empanadas und Cafés und dem Verstand ("nein, ich kann nicht schon wieder Hunger haben"). Hat man diesen Kampf dann zum zigsten mal verloren (ich habe wirklich hart mit mir gekämpft :) kann es passieren, dass man alles ausgesucht hat, mit einem 100 Peso Schein (ca. 20 Euro) bezahlen will, aber den Preis von 3 Peso damit nicht bezahlen kann, weil der Kassierer schon abgerechnet und deshalb kein Wechselgeld hat. Heul! Sowieso war es schwer Kleingeld zu bekommen - keiner wollte mir 2 Peso-Scheine in Münzen wechseln, die man aber dringend zum Busfahren braucht. Ich habe dann erfahren, dass es eine Münzknappheit gibt, da die Menschen Münzen sammeln, um sie dann an die Bank zu verkaufen. Damit kommen sie besser, als wenn sie sie zum Kaufen benutzen... - In Santiago bin ich froh meine Münzen am Kaffeeautomaten sinnvoll eintauschen zu können, sonst hätte ich meine Handtasche wahrscheinlich schon durch einen Rollkoffer ersetzen müssen. Überhaupt kam es mir so vor, als ob Buenos Aires trotz aller wirtschaftlichen Turbulenzen und Probleme (oder vielleicht gerade deswegen?) eine Stadt voller Kultur und Lebensfreude ist. In Santiago werden alte Gebäude abgerissen, um neue zu bauen - in BA werden sie neu angestrichen oder leben in ihrem mediterranen etwas angeschlagenen Charme vor sich hin. In Santiago ploppt eine Mall neben der nächsten mit den immer gleichen Ketten hoch - in BA drängelte man sich durch die Innenstadt mit 100en Geschäften, Minieinkaufsseitenstraßen und natürlich Millionen (gut aussehender :) portenos (so heißen die Einwohner von BA).
Dass die Stadt trotzdem nicht stehenbleibt, beweist die umgestaltete Hafenanlage. Neben einer wunderschönen Promenade gibt es schicke Restaurants, Hotels, exklusive Eigentumswohnungen...und die alten Container-Kräne. Ein wenig HafenCity -Feeling :)
Ich könnte noch weiterschwärmen, aber das hebe ich für das nächste Mal auf. Mein Bett ruft. Also: hasta luego y que os vaya muy bien!

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