Was mich zum eigentlich Thema führt...Wir haben hier seit Tagen eine Inversionswetterlage, die zu einem unglaublichen Smog führt.
Was macht man in Santiago dagegen?
Nun es gibt ein paar Tage "pre emergencia" und die Hälfte der Autos ohne KAT und jeweils 2 Endnummern der Autos mit KAT dürfen nicht fahren. Was bewirkt das? Zum einen etwas weniger Verkehr, zum anderen wird der Staub in den Straßen nicht mehr ganz so stark aufgewirbelt, was dann wieder zu "besseren" Luftwerten führt, das wiederum mündet in einen Tag ohne "pre emergencia", dann ist wieder alles wie vorher oder schlimmer und das ganze Spiel beginnt von vorn. Von Dieselrußpartikelfiltern ist hier ebensowenig die Rede wie von EU-Abgasnormen oder der Empfehlung auf Sport im Freien zu verzichten. Meine Kollegin meinte heute allen ernstes zu mir im Park und in unserem Stadtviertel Las Condes wäre es ja nicht so schlimm und sie würde auch nichts spüren, wenn sie joggen gehe...und überhaupt: Qué vamos a hacer? - Was sollen wir denn machen?
Denn ich bin reichlich entsetzt darüber wie gleichgültig die Leute hier ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und es noch nicht mal schlimm finden. Ist eben so.
Die Studenten streiken seit fast 2 Monaten, zum Teil weil sie bessere Studienbedingungen fordern, zum Teil aber auch nur, weil es so viel "Spaß" macht sich ein wenig mit der Polizei anzulegen. Die LKW Fahrer haben für knapp 2 Wochen gegen die sich erhöhenden Benzinpreise gestreikt und bewirkt, dass der Staat einen Fonds einrichtet, mit dem die Preissteigerungen subventioniert und abgefedert werden sollen. Aber beim Thema Gesundheit, sprich Umweltverschmutzung, muss von Staatsseite appeliert werden, dass die Bevölkerung doch bitte "kooperieren" sollte???????!!!!! Bin ich hier etwa im falschen Film? So was macht mich echt sauer! Auf der einen Seite eine Regierung, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht fähig ist geeignete Maßnahmen für eine Verbesserung der Situation zu bewirken. Und auf der anderen Seite eine Bevölkerung, die zu bequem und (so ehrlich muss man leider sein!) zum Teil ohne eigenes Verschulden zu ungebildet ist, um auf Veränderungen hinzuwirken. Und dann diese egoistische und feige Ausrede: "Ich allein mache ja sowieso keinen Unterschied!" Prima, da können wir uns ja alle schön darauf ausruhen. Hier in Santiago ist das dann die Luftverschmutzung; in Deutschland die Tatsache, dass der Glaube an Demokratie (und die Schulbildung sowieso) vom Portmonnaie abhängt, und auch deshalb keiner wählen geht, aber trotzdem jede politische Entscheidung Sch... findet; in den USA ist es das Bürgerrecht Waffen zu besitzen und in Afrika ein durchgeknallter 84jähriger, der sein ganzes Land tyrannisiert.
Ich glaube es ist an der Zeit mal aus seiner bequemen Couch-, Wohnungs-, Stadt-, Land- oder Kontinentlage herauszukommen und einzusehen, dass wir leider an einem Strang ziehen müssen, weil das alles auf einer Welt stattfindet (auch wenn viele der Meinung sind oder glauben wollen, dass es parallele Welten sind!). Und was die weltweit steigenden Preise für Energie und Benzin angeht: vielleicht ist das ja der halbwegs rechtzeitige Hinweis mal über alternative Energiegewinnung, geeignete Sparmaßnahmen, mehr lokalen Handel (ok die Weintrauben hier schmecken gut, aber eigentlich ist es doch ziemlich idotisch dafür zu bezahlen, dass Obst in Kühlcontainerschiffen um die halbe Welt transportiert wird, zig Unternehmen daran verdienen und die dann immer noch billiger sein sollen als Weintrauben aus Deutschland?!) und vor allem über das Lernen aus Fehlern nachzudenken. Warum in aller Welt müssen denn China, Indien und Co, die gleichen Stadien durchlaufen, wie Europa im 18. Jahrhundert? Luftverschmutzung, Umweltzerstörung und Energieveschwendung jedoch auf der Basis von ein paar Milliarden und nicht wenigen Millionen Menschen...
So, dass ist der Stoff zum Nachdenken für heute. Und da mich meine Kollegin mit ihrer etwas gleichgültigen "Qué vamos a hacer"? Frage angestachelt hat, werde ich wirklich mal darüber nachdenken, was man machen kann!
Und zum Schluss: ich habe meine Blog - Einstellung (en) geändert und nun kann jeder ganz einfach Kommentare hinterlassen. Ihr seid also herzlich zur Diskussion und Ideengebung eingeladen!
Viele Grüße von mir aus Santiago (derzeit sehr energisch und energiegeladen mindestens die Welt zu verändern, wenn nicht noch mehr :)
3 Kommentare:
Qué vamos hacer??
Anfangen,
sensibiliseren,
immer wieder drauf aufmerksam machen,
in den gleichen Wunden bohren,
den Menschen Ihre Fehler vorhalten,
kämpfen,
reden,
schreiben,
schreien,
ETWAS TUN!
Anke, was für ein Eintrag und keiner sagt was dazu! ICh mache zurzeit eine Erfahrung im Miniaturformat! Auf meiner Arbeit habe ich eine kleine Revoultion angefangen und hatte ähnlich Reaktionen! "Was kann ich alleine schon ausrichten?"
Es geht um das gleiche Thema: Umweltschutz, Strom sparen, Resourcen nicht verschwenden, mitdenken beim Handeln, auferksam machen und so weiter!
Unglaublich was für Gesichter die LEute teilweise gemacht haben und mit welchen Hahnebüchenen Argumenten sie um die Ecke gekommen sind, dass ausgerechnet sie nicht die Richtigen sind damit anzufangen und auf Ihre Umwelt, auch in Form von Menschen, einzuwirken! Und ich spreche von Menschen die alle eine sehr gute Bildung genossen haben und denen man nicht erklären muss, was "Off Shore" oder SMOG bedeutet.
Was ist also schlimmer? Keine Bildung oder Ignoranz???
In diesem Sinne
Que vamos hacer?
Anfangen,
sensibiliseren,
immer wieder drauf aufmerksam machen,
in den gleichen Wunden bohren,
den Menschen Ihre Fehler vorhalten,
kämpfen,
reden,
schreiben,
schreien,
ETWAS TUN!
Lieben Gruß
Susa
Hallo Lieblingstochter,
ich probiere es ein 2. Mal.Beim ersten Lesen bin ich erschrocken - diese Schärfe von dir so positiv eingestellten Menschen?! Mir war das Wochenende "überschattet". Heute musste ich das noch einmal lesen und entdeckte die Reaktion von Susanne Otto. Jetzt weiß auch ich wieder einmal,dass Bequemlichkeit, Routine, Angst oder was weiß ich, soooo gefährlich
für uns sind.
Also los,lass uns was unternehmen.
Ich täusche mich doch nicht - du hast doch schon Ideen!
Die einprägsamen Worte zu Beginn des Kommentars von S.O. habe ich schon notiert!!
Liebe Grüße, deine Mama
Holà Anke,
Du wirst ja noch zu einer richtigen politischen, sozialen Aktivistin ;-)
Nun, auch ich habe Deinen Blogeintrag mit großem Interesse gelesen. Und ich stimme Dir natürlich bei vielem zu. Ich habe aber auch schon ein paar Monate in Südamerika verbracht und ich würde sagen ich bin mit einfacheren, ärmeren Leuten ins Gespräch gekommen, als Du sie bisher in Chile kennengelernt hast - ist jetzt einfach mal eine Unterstellung ;-) Und ich kann nur sagen, wenn ein Einheimischer jeden Tag zusehen muss, wie er seine Familie ernährt bekommt und wie er selbst überlebt, dann hat er wenig Sensibilität für die für uns westlich zivilisierte Menschen wichtigen Probleme. Er hat nämlich ganz andere, wie oben beschrieben. Ich denke, dass es zwischen Chile und Equador und Peru, wo ich war, schon einen Unterschied im Lebensstandard gibt zugunsten von Chile.
Es ist aber auch vorstellbar, das gerade die Menschen in diesen Ländern, die auf langsame und mühevolle Art und Weise zu etwas gebracht haben auch einfach mal leben wollen, ohne sich über Umwelt etc. den Kopf zu zerbrechen. Zugegebenermaßen ist das von ihnen ziemlich kurzsichtig, aber sie kennen es einfach nicht anders. Und ich denke erst wenn Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen es der breiten Masse besser geht und dann auch die Politiker oder Leute, zu denen sie aufschauen können, Vorbild sind (was leider in den wenigsten Fällen so ist) dann zieht viell. auch die breite Masse mit. Und sicher kann/ muss so eine Initiative auch aus dem Teil der Bevölkerung ausgehen, denen es etwas besser geht als den anderen.
Zum Thema Weintrauben: ich kanns leider nicht mehr 1 zu 1 widergeben, aber das gleiche Spielchen geschieht auch andersherum. Ich meine mal einen Beitrag gesehen zu haben, in dem es hieß, dass z.B. Tomaten aus Deutschland (oder einem anderen europ. Land) so stark subventioniert werden, dass sie auch exportiert werden und zwar in Dritte-Welt oder Schwellenländer wo den einheimischen Bauern, die viel aufwendiger (weil manueller) produzieren müssen, damit die Existenzgrundlage genommen wird. Also das finde ich z.B. auch bedenklich.
Oder wenn, bei aller Übereifrigkeit von der deutschen Politik Mindest-Biospritanteile verordnet werden, die dazu führen, dass am anderen Ende der Welt weitere Regenwälder gerodet werden, damit da die Pflanzen, aus denen alternative Treibstoffe gewonnen werden, angebaut werden können. Glücklicherweise hats der ADAC gekippt - vielen Dank dafür. Man muss vielleich auch einmal mehr überlegen...
Und ich finde es toll, dass Du so viel Tatendrang an den Tag legst. Das kenne ich nicht anders von Dir. Wirklich meine Hochachtung dafür. Ich sage bei all den Diskussionen immer, das ich erstmal bei mir persönlich anfange, was ich zum Erhalt der Umwelt etc. beitragen kann...
Da sich gleich der Akku meines Laptops verabschiedet mache ich erstmal Schluss.
Gute Nacht und liebe Grüße.
René
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