
Ich glaube das Wort relativ ist eines der wichtigsten Wörter, welches wir besitzen und doch benutzen wir es viel zu wenig - in der Sprache, aber viel mehr noch im Denken und Beurteilen von Dingen. Sind 50.000 Tote relativ wenig bei über 1 Milliarde Einwohnern von China? Sind dann geschätzte 100.000 Tote für Burma dann relativ viel? Und wenn man in Deutschland als "arm" bezeichnet wird, wenn man weniger als 60% des Durchschnittsverdienstes verdient, wie bezeichnet man dann die Menschen, die man jetzt täglich im Internet und Fernsehen sieht? (und wie gesagt: unsere Produktionsmitarbeiter bekommen auch ca. 300€ im Monat bei annähernd gleichen Lebensmittelpreisen wie in Deutschland und ich glaube nicht, dass es hier ein Sozialamt, geschweige denn Arbeitslosengeld, eine Tafel, Arbeitersamariterbunde oder ähnliches gibt)
Im übrigen: wenn solche Statistiken veröffentlicht werden, wer ist dann "die Bevölkerung"? Erwachsene in der arbeitsfähigen Phase? Oder auch Studenten und Rentner? Und was ist mit den Frauen, die nicht arbeiten gehen müssen, weil der Mann genug für die

Familie verdient? Gefährliche Sache so eine Statistik...und da braucht man noch nicht mal eine Regierung, die beabsichtigt zu lügen...
Relativ ist auch der Eindruck von Santiagos Innenstadt (bei grauem Himmel und blätterleeren Bäumen): schöne alte Architektur wechselt sich mit schäbigen 70er Jahre Plattenbauten inklusive grausigen außen angeklatschten Klimaanlagen ab. (Hat eigentlich schon mal jemand darüber nachgedacht, ob dieser scheinbar weltweite Ring von häßlicher 70er Jahre Architektur auch eine Art Verschwörung oder Attentat auf den guten Geschmack ist?) Die Stadt hat hier ein vollkommen

anderes Gesicht und jeder Tourist, der nur hierher kommt, muss furchtbar enttäuscht/getäuscht sein. Aber nur ein paar Metrostationen weiter ist man im lauschigen Providencia. Läuft schöne Straßen mit Bäumen lang und kann sich beim Chinesen leckeres Hühnchen süß-sauer schmecken lassen - und hinterher in der nächsten Mall super leckere frisch gemachte Frucht-Joghurt-Mixe probieren (www.yogenfruz.com)
Relativ ist auch die Schnelligkeit der Prozesse hier ;) Anfang der Woche habe ich mich etwas darüber geärgert, dass es so schwierig ist Termine für Meetings zu bekommen, mal mit meiner Chefin über die Projekte zu sprechen usw. Am Donnerstag habe ich dann mit ihr reden können (und grünes Licht für meine Ideen bekommen ;) ) und hatte 3 Vorstellungsgespräche

mit ihr für verschiedene offene Stellen. Eines davon war für eine Junior Product Manager Stelle - die Kandidatin hatte mir schon vom Lebenslauf her gut gefallen - 1. Interview mit HR - bestanden, 2. Interview mit der Linie - bestanden, 3. Interview/Test beim Psychologen - bestanden! Letzte "Hürde" war also das Gespräch mit der HR Leitung und mir :) Als ich dann auch ganz begeistert war (zusammen mit meiner Chefin) wurde fix die "Carta oferta" ausgedruckt (sowas wie ein 1. Angebot), Unterschrift drunter - kannst du am Montag anfangen? - Ähm, ja... -- dann bis Montag, willkommen im Team. Das nenn ich dann Geschwindigkeit :)
Was gibt es sonst noch? War gestern von halb 3 bis halb 7 bei einer Kollegin zum "almuerzo" (eigentlich Mittagessen) - sehr nett! Mit ihr fahre ich auch Mitte Juni in den Süden Chiles, um ihre Heimatstadt und Umgebung kennen zu lernen. Im übrigen solltet ihr euch mal die Seite www.hebras.cl anschauen - super schicke Strickwaren, handgemacht mit chilenischer Wolle! - Wie gesagt, ich entwickle mich langsam zum Chile-Missionar ;)
Am Mittwoch feiern wir hier die Seeschlacht von Iquique und für das nächste Wochenende habe ich eine Überraschung für euch :)
Hasta luego amigos! Lasst es euch gut gehen und vergesst nicht: es ist immer alles relativ, oder relatief oder relahoch...
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