Montag, 16. Juni 2008

Zurück in Deutschland

Ich war schon wieder in Deutschland. Und keiner wusste es. Nicht einmal ich! Nach einer kurzen und arbeitsreichen Woche ging am Donnerstag morgen mein Flug nach Osorno - dachte ich. Als ich am Mini-Flughafen von Osorno ankam, wurde ich schon von meiner Beiersdorf Kollegin Domi und ihrer Mama empfangen - und schwupps befand ich mich nicht nur im Auto, sondern auch in der urigsten mittelgebirgsdeutschen Landschaft. Die Region Las Lagos wurde Ende
des 19. Jahrhunderts mit deutschen Einwanderern besiedelt, die das Land bevölkern, entwickeln und nutzen sollten. Und so gibt es heute nicht nur an Deutschland oder Österreich erinnernde Landschaften (die Umstellung sollte für die Immigranten ja auch am anderen Ende der Welt nicht zu groß sein ;), sondern auch deutsche Schulen, Häuser, Kuchen, Bier, Friedhöfe, Nachnamen, ... Witzigerweise scheint man ins Bayern des 19. Jahrhunderts zurückversetzt (jajaja; Deutschland wird doch immer nur auf dieses kleine unbedeutende Bundesland mit seinen komischen Bräuchen und Politikern reduziert :) doch ist nachzuweisen, dass die damaligen Immigranten aus dem nördlichen Deutschland stammten - klar, die hatten auch den Zugang zum Meer und den Schiffen (siehe dazu auch Hamburg Ballinstadt http://www.ballinstadt.de/). Jetzt stellt sich also die Frage, was in aller Welt diese Menschen dazu bewegte ihre neue Heimat nach süddeutschem Vorbild zu gestalten - vielleicht passten Reetdächer einfach nicht in bergige Landschaften? Mir jedenfalls wurde trotzdem ganz warm ums Herz :) Schon komisch sich so viele Kilometer weg von zu Hause plötzlich so heimisch zu fühlen. Obwohl dieses Zu-Hause-sein-Gefühl auch sehr gut von der herzlichen Gastfreundschaft kommen konnte - in einem super gemütlichen und schicken Haus konnte ich neben einem Kamin und meinem eigenen Gästezimmer lauter super leckere chilenische Leckereien geniessen - Pastel de choclo ist z.B. ein Maisbrei mit Hackfleisch, Rosinen und Oliven (ok, die habe ich weggelassen); Picarones sind fritierte Krapfen, die in einer Orangen-Zucker-Soße aufgewärmt werden, dazu noch Essens- Einladungen zu Freunden und zwischendurch die Picadeos mit Crackern, Rotwein, Schinken, Käse usw. Nicht nur deswegen ist ab morgen ein straffes Sportprogramm angesagt! Und ja, ich werde meinem Reisegepäck ein chilenisches Kochbuch beilegen und versuchen, dass ein oder andere nachzukochen.
Da ich ja ein sehr offener Mensch bin und mich immer weiterentwickeln will (nach meinem Besuch im Freizeitpark also ein weiterer "first ever"), habe ich sogar meine Skepsis gegenüber Meeresfrüchten abgelegt und 2 verschiedene überbackene Spezialitäten probiert: locos und Jakobsmuscheln. Das letztere fand sogar meine Zustimmung!
Neben Essen war natürlich auch ein Touri-Programm angesagt. Am Donnerstag Nachmittag ging es bei wechselhaften Wetter zum Lago Rancos - wunderschön und beeindruckend! Freitag zu den Großeltern nach Valdivia (die natürlich deutsche Vorfahren haben und wir deshalb viel Spaß mit deutsch-spanischen Unterhaltungen hatten). Wir statteten dem Castel Niebla einen Besuch ab und ich war von der Costa Negra begeistert! Und noch ein "das erste mal": den Pazifik sehen! Der war im Jahr 1960 allerdings verhängnisvoll als erst ein Erd- und dann ein Seebeben die Stadt Valdivia zu 80% zerstörten und die gesamte umliegende Landschaft nachhaltig veränderten. Heute gibt es weitläufige Sumpfgebiete, in denen zahlreiche Vogelarten heimisch sind. Diese Naturkatastrophe war und ist mit einer Stärke von 8,9 eines der stärksten je gemessenen Erdbeben auf der Welt.
Samstag ging es dann nach einem chilenischen Mittagessen - einem Asado - gegrilltes Rindfleisch en masse - in den Süden Richtung Lago Llanquihue und Frutillar. Hier wird Deutschland dann endgültig lebendig! Lauter Holzhäuser, überall Strudel und Kuchen und Häuser im schönsten Bauernhaus -Stil. Deshalb mussten wir auch in das Café Bauernhaus einkehren und uns bei Tee, Kakao und Apfelstrudel aufwärmen :) Gemütlich wie bei Oma saßen wir erst allein, später tröpfelten noch ein paar Gäste ein. Und während unseres Spaziergangs an der Strandpromenade mit spektakulärem Blick auf den perfekten Vulkan Osorno (der zeigte zwar nur seine Spitze, aber war trotzdem ein Erlebnis!) sprudelten in mir die Tourimus-Vermarktungs-Ideen. Ich kann meine Studienwurzeln wohl doch nicht ablegen :) Alles in allem eine wunderschöne Landschaft mit einem zart entwickelten Tourismus und super viel Potenzial!
Am Sonntag ging es dann nach einem Spaziergang, Mittagessen und gemütlichem Entspannen zurück nach Santiago. Und nun bin ich wieder in der Großstadt. Ohne Kamin. (Und ohne Nana). Dafür mit Smogalarm und Fahrverbot. Ich muss wohl erst mal schlafen gehen, um wieder hier in der Stadt- und Arbeitsrealität aufzuwachen. Aber der Süden ruft mich schon wieder...
PS: Habe gerade den Text noch einmal gelesen und mir sind die vielen Adjektive aufgefallen, die vielleicht etwas verklärt scheinen. Schaut euch die Fotos an - ich sage nur die Wahrheit!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hach hoert sich an, als wenn Du das Leben geniesst. :) Dicken Bussi!